#13 – Montessori und die Lernumgebung

Im zweiten Teil meiner Montessori-Serie soll es um die Lernumgebung für dein Kind gehen. Dabei ist es mir ganz besonders wichtig zu betonen, dass es ganz egal ist, wie alt dein Kind ist. Das pädagogische Konzept Maria Montessoris ist auf alle Altersstufen gleichermaßen anwendbar.

Im vorherigen Teil hast du bereits viel über die sensiblen Phasen, die von mir bezeichneten Fenster gelernt. Die Lernumgebung deines Kindes sollte sich im besten Fall an diesen Phasen orientieren und diese wiederspiegeln. Oberstes Gebot dabei ist immer, dass die Umgebung altersadäquat gestaltet ist und dein Kind dort abholt, wo es sich gerade befindet. Beobachte es gut und du wirst wissen, was gerade dran ist. Du solltest aber noch drei weitere Dinge bei der Gestaltung der Lernumgebung beachten:

1. Die Lernumgebung sollte die soziale und emotionale Entwicklung deines Kindes unterstützen, z.B. Regeln und Grenzen, Rücksichtnahme lernen, Gefühle zulassen und ausdrücken können
2. Dein Kind sollte Gelegenheit haben sich senso-motorisch ausprobieren zu können, mit allen Sinnen z.B. verschiedene Lieder hören und Singen, Instrumente kennen lernen und spielen; Farben, Buchstaben, Filme, Kunst und andere schöne Dinge mit den Augen wahrnehmen; Balancieren, Turnen, Klettern, Natur entdecken und auch ganz unterschiedliche Dinge berühren und sie mit den Händen erfassen.
3. Und auch kognitiv sollte sich die Lernumgebung an deinem Kind orientieren und ihm die Möglichkeit geben, sich auszuprobieren. Z.B. Wenn dein Kind mit 4 Jahren rechnen lernen möchte, dann ist es durchaus wünschenswert, wenn sich die Lernumgebung daran orientiert und du mathematische Inhalte anbietest. Gleiches gilt auch für Farben, dem Sortieren, Formen und auch Sprachen. Sei offen für alles

Die Lernumgebung teilt Maria Montessori noch in vier wichtige Bereiche ein: die Sachumgebung, die Materialgruppen, die menschliche Umgebung und die Freiarbeit

  1. Die Sachumgebung: Es ist auf die Arbeit von Maria Montessori zurückzuführen, dass heute die Möbel in Kindergärten, Schulen und zum Teil auch zu Hause auf die Körpergröße der Kinder angepasst sind. Darüber hinaus sollte das verwendete Material aber noch hochwertig und ästhetisch ansprechend sein. Verwende z.B. kein Plastikgeschirr sondern führe Porzellan ein und erlebe den Unterschied im Umgang deines Kindes damit. Außerdem sollte das Lernmaterial stets isoliert angeboten bzw. vorbereitet werden. Sorge dafür, dass nicht zu viel Ablenkung vorhanden ist, begrenze das Spielzeug und biete deinem Kind eines nach dem anderen an. Das fördert die Konzentration und die Ausdauer im Umgang mit dem Material. Und zu guter Letzt sollte das Arbeitsmaterial möglichst eine Eigenkontrolle besitzen. Das bedeutet, dass dein Kind selbst herausfinden kann, ob es einen Fehler gemacht hat und ihn im Besten Fall auch eigenständig korrigiert.
  2. Die Materialgruppen: Sie orientieren sich an den Bedürfnissen, den Fähigkeiten und den Interessen deines Kindes. Welche das sind kannst du durch Beobachtung herausfinden. Zum einen kannst du Übungen des täglichen Lebens einfließen lassen. Das sind alle, die mit dem Alltag in einer Familie zu tun haben, denn du möchtest dein Kind ja auf ein eigenständiges Leben vorbereiten. Je nach Interesse und Fähigkeit kann das Waschmaschine ein- und ausräumen sein oder Geschirr wegräumen, Tisch decken, Schneiden, Kochen, Backen etc.. Dann ist es sinnvoll Sinnesmaterial anzubieten. Das können Geräuschdosen sein, Lieder, Musik, Tastmaterial, verschiedener Geschmäcker, Spiele mit Licht und Farbe etc..
    Mathematische und Sprachliche Inhalte sollten auf jeden Fall auch mit einfließen durch z.B. Farbspiele, Sortierspiele, Formen, erste Zahlen, Raumwahrnehmung, Räume ausmessen und ausmalen, Dinge abmessen und bauen, viel vorlesen, Hörspiele, Rollenspiele, Bücher.
    Und die kosmische Erziehung deckt dann alles ab, was die Naturwissenschaften betrifft und was Kinder gern entdecken möchten. Im Wald Tiere entdecken und erforschen, alles über die Erde und andere Planeten erfahren oder vielleicht auch Experimente machen.
  3. Die menschliche Umgebung: das sind wir als Eltern und Lernbegleiter. Wir beobachten die Kinder genau und stellen geeignetes Lernmaterial in einer geeigneten Umgebung zur Verfügung. Wir beobachten dann das Kind im Umgang mit dem Material und helfen nur dort, wo es unbedingt notwendig ist. Ansonsten geben wir dem Kind Zeit und Ruhe, um sich mit dem Material auseinanderzusetzen. Zentrales Thema hierbei ist es, dass sich die Kinder nach und nach von uns loslösen lassen dürfen. Wir sehen uns nicht als ihre Animateure. Wir sind ihre Begleiter auf einem Weg den sie gestalten dürfen.
  4. Die Freiarbeit: Sie kann zu Hause in einem Ramen stattfinden, indem sich das Kind mit dem Material eigenständig beschäftigen darf. Eine gut vorbereitete Umgebung ist wichtig für das Gelingen. Am Besten schafft ihr alles aus dem Blickfeld des Kindes, was nicht zum Angebot gehört und dann reichen 3-4 Materialien, die ihr mit Abstand zueinander isoliert aufbaut. Euer Kind entscheidet dann selbst, welches Material es nutzen möchte und wie lange es sich damit beschäftigt. Das funktioniert im übrigen auch mit Hausaufgaben sehr gut.

Wenn du zu diesen Ausführungen noch Fragen haben solltest oder etwas unklar geblieben ist, kontaktier mich gern. Im nächsten Teil erwartet dich dann das Thema: Erziehung ohne Belohnung und Bestrafung.

Bis dahin, bleib gesund und schau auf dich!